Oder anders gefragt: Kommen wir daran vorbei, eine solche Lizenzklasse K im Amateurfunk einzuführen? Diese Frage beschäftigt seit Tagen Funkamateure in ganz Deutschland – ob organisiert im DARC e.V. oder nicht. Ich habe selbst in meinem Amateurfunk-Blog einen allgemeinen Beitrag zu diesem Thema geschrieben und möchte mich nun hier ein wenig tiefer mit dem Thema beschäftigen.
Kurz zum Hintergrund: Es wird geplant, in Deutschland eine sogenannte Lizenzklasse K einzuführen, die mit sehr geringen Prüfungsvoraussetzungen den Zugang zum Amateurfunkdienst ermöglicht. Ich persönlich sehe es ja eher so, dass Deutschland im Zuge der europäischen Harmonisierung der Lizenzklassen an der Einführung einer solchen Lizenzklasse gar nicht vorbei kommt, aber ob ich persönlich glücklich mit dieser Tatsache bin, steht auf einem anderen Blatt.
Ich selbst habe 1996 die Lizenprüfung zur Erlangung der Lizenz und damit der Sendeerlaubnis auf den UKW-Bändern (also ab 144 MHz aufwärts) gemacht und bestanden. Damals war das im Grunde ein hartes Stück Arbeit, denn man musste die Fragen in Volltext-Antworten beantworten. Kurze Zeit später, also wenige Jahre danach, wurde die Lizenzklasse 3 eingeführt und damit ein neuer Prefix “DO” in Deutschland aktiviert. Hier war damals schon zu spüren, dass sehr viele nicht wirklich angetan von dieser Entwicklung waren, denn: die Prüfungsanforderungen wurden massiv heruntergestuft. Dies führte angenehmerweise dazu, dass die Zahl der Funkamateure zu steigen begann, was einerseits bedeutete, dass es auch zu einem Mitgliederanstieg bei den Vereinigungen kam, auf der anderen Seite waren aber auch “Seiteneffekte” spürbar – wenn auch diese sicherlich nicht die Masse betrafen.
Die Seiteneffekte waren, dass die Funkamateure (nicht nur in Deutschland) massiv zu spüren bekamen, dass sie ihren “elitären” Stand ein wenig verloren haben. Schließlich merkte man schon, dass die neuen Gesprächspartner teilweise nicht mehr den Bildungsstand hatten, der noch vor Jahren “Standard” im Amateurfunk war (oder von dem man glaubte, er wäre es). Schließlich war man der Meinung: Als Funkamateur war man jemand. Man wurde von der Gesellschaft respektiert, teilweise verehrend angeblickt… zumindest träume man sich dies zurecht. Die Realität war damals wohl schon genauso wie heute: Die Öffentlichkeit und damit der normalsterbliche Bürger hatte damals, wie auch heute, vom Amateurfunk an sich kaum Notiz genommen. Viele haben damals schon (wie auch wieder heute) das Thema Funk immer wieder mit dem CB-Funk in einen Topf geworfen. “Truckerfunk” und Co. waren Schlagworte, die einem Funkamateur immer wieder Bauchschmerzen machten und mit denen man tatsächlich Verteidigungszustände bei dem ein oder anderen hervorrufen konnte.
Also was genau kann dem Amateurfunkdienst in Deutschland durch die EInführung einer solchen Entry-Level-Lizenz passieren? Fangen wir mal bei den positiven Dingen an: Die Zahl möglicher Gesprächspartner und Experimentierender könnte steigen. Ich möchte nicht ausschließen, dass unter den “niedrig-lizenzierten” Funkamateuren tatsächlich welche sind, die ein entsprechend ausgeprägtes Interesse an der Technik und am Selbstbau haben – schließlich sind dies die vermeindlichen Dinge, auf die sich der Funkamateur an sich immer wieder beruft. Dass Amateurfunk auch Kommunikation und Weiterbildung auf sozial-ethnischem Niveau bedeutet, vergessen leider allzu viele bei dieser Sicht auf die Welt.
Funkamateure sind aber in der Tat Menschen, bei denen auch diese beiden Dinge (Kommunikation und Weiterbildung) hoch im Kurs stehen: Nicht selten ist es so, dass man nach einer längeren Sitzung am Funkgerät einen mehr oder weniger flüchtigen Blick (der durchaus auch mal mehrere Minuten bis Stunden dauern kann) in die Landkarte oder die modernere Variante Google Earth / Google Maps wirft, um zu erfahren, woher denn die Gesprächspartner stammen. Ok, ich gebe zu, ich tue dies nicht wirklich regelmäßig, doch gerade wenn die monatliche QSL-Kartenlieferung bei mir eintrifft und ich den Posteingang abarbeite, reizt es mich schon, genauer wissen zu wollen, aus welcher Ecke denn genau der Gegenüber von damals stammt. Das ist für mich ebenfalls Bestandteil des Hobbys.
Ich persönlich denke, wir kommen nicht dran vorbei (alleine schon wegen des politischen Drucks, der seitens der EU entstehen wird in dieser Sache), eine ELL einzuführen. Auch bin ich der Meinung, man sollte den Neueinsteigern auf diesem Niveau auch eine faire Chance geben.
Sicherlich wird es auch den ein oder anderen geben, “den man nicht haben möchte” (aus welchen Gründen auch immer)… diese werden, so ist das leider heutzutage, dies auch zu spüren bekommen – Mobbing im Hobby. Sowas solls geben, habe ich schon gehört. Entweder verlieren diese dann von selbst die Lust am Amateurfunk oder aber sie rächen sich auf ihre Weise und werden zu notorischen Störern, womit wir sicherlich auch schon bei den negativen Folgen wären, deren Entstehung und Entwicklung wir “Bestandsamateure” aber wohl zu einem nicht geringen Teil selbst in der Hand haben.
Also lasst uns die Einsteiger bitte fair behandeln und gebt ihnen eine Chance, sich zu beweisen!
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